Bugholz-Glossar: 44 Fachbegriffe aus der Fertigung

Glossar der Fachbegriffe für gebogene Holzbauteile: von Biegeradius und Rückfederung über Fallhärtung bis zu EUDR und MOQ. 44 Definitionen aus der laufenden Produktion.

Dieses Glossar erklärt die Begriffe, die in Ausschreibungen, Zeichnungen und Prüfberichten für gebogene Holzbauteile auftauchen. Die Definitionen stammen aus der Fertigung, nicht aus dem Lexikon: Jeder Wert entspricht dem, was wir in der laufenden Produktion kontrollieren.

Werkstoffe und Holzarten

Bugholz

Sammelbegriff für Holz, das nach dem Dämpfen in eine dauerhafte Kurve geformt wurde. Umfasst sowohl massives Biegeholz als auch Biegesperrholz.

Massivbiegeteil

Bauteil aus einem durchgehenden Stück Vollholz. Die Faser läuft ununterbrochen über die Kurve, deshalb ist die Bruchlast höher als bei verleimten Alternativen.

Biegesperrholz

Mehrere dünne Furnierlagen, die gemeinsam gebogen und verleimt werden. Erlaubt deutlich engere Radien als Massivholz, weil jede Lage nur wenig gedehnt wird.

Schichtholz

Aus mehreren Furnier- oder Brettlagen verleimtes Halbzeug. Wird verwendet, wenn Bauteile länger als ein Naturholzstück oder besonders formstabil sein müssen.

Formholz

Im beheizten Werkzeug gepresstes Holzwerkstoffteil mit dreidimensionaler Form. Anders als beim Dampfbiegen entsteht die Kontur aus Pressdruck und Temperatur, nicht aus einer Biegeform.

Esche

Fraxinus excelsior. Das klassische Biegeholz: elastisch, gut plastifizierbar, mit gerader Faser und heller Farbe. Standardwerkstoff für Stuhlgestelle.

Buche

Fagus sylvatica. Dichte rund 720 kg/m³, feine gleichmäßige Textur. Nimmt enge Radien zuverlässig an und ist der Maßstab für Serien-Stuhlgestelle.

Birke

Betula pendula. Biegt sich sauber und lässt sich gut zu Furnier verarbeiten. Reagiert aber empfindlich auf zu langes Dämpfen und neigt dann zum Aufreißen.

Nussbaum

Juglans regia. Dunkle, dekorative Maserung. Wird gewählt, wenn die Sichtfläche das Design bestimmt; biegetechnisch etwas träger als Esche und Buche.

Faserverlauf

Richtung der Holzfasern im Bauteil. Muss parallel zur Biegelinie verlaufen, sonst entstehen Querzugspannungen und Risse an der Außenkurve.

Verfahren

Dampfbiegen

Verfahren, bei dem Holz in gesättigtem Wasserdampf erhitzt und anschließend im warmen Zustand über eine Form gebogen wird. Die Form wird bis zum Abkühlen und Trocknen gehalten.

Plastifizierung

Aufhebung der Steifigkeit des Holzes durch Wärme und Feuchte. Die Ligninmatrix zwischen den Zellulosefasern wird weich, sodass die Fasern übereinander gleiten können.

Lignin

Natürlicher Holzbestandteil, der die Zellulosefasern umhüllt und verklebt. Es ist der Baustoff, der beim Dämpfen erweicht und nach dem Abkühlen die neue Form fixiert.

Konditionierung

Gezieltes Einstellen der Holzfeuchte vor dem Dämpfen. Zielwert sind etwa 20 bis 25 Prozent, damit die Fasern plastisch werden, ohne zu reißen.

Dämpfzeit

Dauer der Dampfbehandlung, abhängig von der Querschnittsdicke. Praxiswert: rund 15 Minuten pro Zentimeter. Ein 20-mm-Querschnitt benötigt etwa fünf Stunden.

Stahlband

Flexibles Band, das die Außenkurve während des Biegens umschließt und zusammendrückt. Es verhindert, dass die äußeren Fasern auf Zug reißen, und erlaubt engere Radien.

Biegeform

Werkzeug, das die Zielkontur vorgibt. Wird pro Bauteil gefertigt und bleibt für die Laufzeit des Programms im Werkzeugbau archiviert, damit Wiederholaufträge identisch ausfallen.

Aufspannen

Fixieren des gebogenen Teils auf der Form. Das Teil bleibt eingespannt, bis es abgekühlt und auf Gebrauchsfeuchte zurückgetrocknet ist.

Rückfederung

Elastische Rückstellung des Bauteils nach dem Lösen aus der Form. Sie wird durch Überbiegen, längeres Halten und langsames Trocknen kompensiert.

Pressbiegen

Umformen in einem beheizten Werkzeug unter Pressdruck. Schneller und reproduzierbarer als Dampfbiegen bei dünnen Querschnitten und bei allen Laminaten.

Konstruktion und Toleranz

Biegeradius

Innenradius der Kurve, gemessen an der Innenseite des Bauteils. Er bestimmt, ob ein Querschnitt überhaupt gebogen werden kann.

Radiusverhältnis

Verhältnis von Biegeradius zu Bauteildicke. Mit Stahlband liegt die praktische Grenze bei etwa 1:2, ohne Stahlband bei etwa 1:5 der Dicke.

Querschnitt

Form und Maß des Bauteils senkrecht zur Längsachse. Rechteckige Querschnitte biegen gleichmäßiger als stark profilierte Querschnitte.

Wandstärke

Dicke des Bauteils quer zur Biegelinie. Dünne Wandstärken erlauben engere Radien, sind aber empfindlicher gegen Beulen an der Innenkurve.

Toleranz

Zulässige Abweichung vom Nennmaß. Bei bearbeiteten Maßen nach dem Trocknen halten wir üblicherweise plus/minus 0,5 Millimeter.

Lehre

Prüfvorrichtung, die die Sollkontur als Gegenform abbildet. Jedes Los wird gegen die Lehre geprüft, weil ein Maßband die Krümmung nicht abbildet.

Zugzone

Außenliegender Bereich der Kurve, in dem die Fasern gedehnt werden. Hier entstehen Risse, wenn ohne Stahlband oder mit zu trockenem Holz gebogen wird.

Druckzone

Innenliegender Bereich der Kurve, in dem die Fasern gestaucht werden. Bei zu dünner Wandstärke entsteht hier Faltenbildung.

Rissbildung

Trennung der Fasern an der Außenkurve. Ursachen sind zu geringe Holzfeuchte, zu langes Dämpfen oder ein zu enger Radius ohne Stahlband.

Faltenbildung

Aufwerfung der Innenkurve durch Stauchung. Tritt auf, wenn der Radius kleiner ist als der Querschnitt zulässt, oder wenn der Anpressdruck zu hoch ist.

Prüfung und Qualität

Fallhärtung

Verhärtung der Randzonen durch zu schnelles Trocknen. Die äußeren Schichten schwinden früher als der Kern, es entstehen Eigenspannungen und Haarrisse.

Holzfeuchte

Wassergehalt des Holzes in Prozent der Trockenmasse. Beim Biegen werden 20 bis 25 Prozent angestrebt, im fertigen Bauteil die Gleichgewichtsfeuchte des Zielmarkts.

Gleichgewichtsfeuchte

Feuchtegehalt, der sich im Bauteil abhängig von Umgebungstemperatur und Luftfeuchte einstellt. Für Mitteleuropa liegen die Werte typisch zwischen 8 und 11 Prozent.

Sichtprüfung

Visuelle Kontrolle jeder Charge auf Risse, Druckstellen, Leimfugen und Farbabweichungen. Sie ergänzt die Maßprüfung, ersetzt sie aber nicht.

Maßprüfung

Messtechnische Kontrolle von Radius, Querschnitt und Länge gegen Zeichnung und Lehre. Grundlage für die Freigabe eines Loses.

EN 1728

Europäische Norm für die Prüfung der Standsicherheit, Festigkeit und Dauerhaltbarkeit von Sitzmöbeln. Relevant für Stuhlgestelle und Sitzschalen.

BIFMA

US-amerikanischer Standard für Büromöbel mit definierten Lastzyklen. Wird von nordamerikanischen Auftraggebern zusätzlich zur EN verlangt.

Formaldehyd

Bindemittelbestandteil in Holzwerkstoffen. Seit August 2026 gilt in der EU ein Grenzwert von 0,062 mg/m³ für Möbel und Holzwaren nach REACH Anhang XVII.

FSC und PEFC

Zertifizierungssysteme für nachhaltige Forstwirtschaft. Auftraggeber verlangen in der Regel einen lückenlosen Nachweis der Lieferkette bis zum Sägewerk.

EUDR

EU-Verordnung gegen Entwaldung, anwendbar ab Dezember 2026. Sie verlangt für Holzprodukte Angaben zu Art, Herkunftsland und Geokoordinaten der Anbauflächen.

Kaufmännisches

MOQ

Mindestbestellmenge pro Teil. Sie richtet sich nach Geometrie und Werkzeugaufwand, nicht nach einem festen Wert, und wird in jedem Angebot ausgewiesen.

Werkzeug

Biegeform oder Pressform, die für ein Bauteil gefertigt wird. Das Werkzeug wird nach Zeichnung gebaut und für die Laufzeit des Programms im Werk archiviert.

Erstmuster

Erstes Bauteil aus dem Serienwerkzeug, das dem Auftraggeber zur Freigabe vorgelegt wird. Erst nach Freigabe startet die Serienfertigung.

Lieferzeit

Zeitspanne vom freigegebenen Zeichnungssatz bis zur Versandbereitschaft. Üblich sind 7 bis 15 Tage für Muster und 15 bis 30 Tage für Serienaufträge.

Nach Branche: Wie sich die Anforderungen je Anwendung unterscheiden, zeigt die Übersicht Bugholz-Komponenten nach Branche.

Rechner: Ob Dicke und Radius zusammenpassen, prüft der Biegeradius-Rechner — mit den Grenzwerten für Biegen mit und ohne Stahlband.

EUDR: Welche Angaben Importeure ab Dezember 2026 für die Sorgfaltspflichtserklärung brauchen, steht unter EUDR und Bugholz.