Dieses Glossar erklärt die Begriffe, die in Ausschreibungen, Zeichnungen und Prüfberichten für gebogene Holzbauteile auftauchen. Die Definitionen stammen aus der Fertigung, nicht aus dem Lexikon: Jeder Wert entspricht dem, was wir in der laufenden Produktion kontrollieren.
Werkstoffe und Holzarten
Bugholz
Sammelbegriff für Holz, das nach dem Dämpfen in eine dauerhafte Kurve geformt wurde. Umfasst sowohl massives Biegeholz als auch Biegesperrholz.
Massivbiegeteil
Bauteil aus einem durchgehenden Stück Vollholz. Die Faser läuft ununterbrochen über die Kurve, deshalb ist die Bruchlast höher als bei verleimten Alternativen.
Biegesperrholz
Mehrere dünne Furnierlagen, die gemeinsam gebogen und verleimt werden. Erlaubt deutlich engere Radien als Massivholz, weil jede Lage nur wenig gedehnt wird.
Schichtholz
Aus mehreren Furnier- oder Brettlagen verleimtes Halbzeug. Wird verwendet, wenn Bauteile länger als ein Naturholzstück oder besonders formstabil sein müssen.
Formholz
Im beheizten Werkzeug gepresstes Holzwerkstoffteil mit dreidimensionaler Form. Anders als beim Dampfbiegen entsteht die Kontur aus Pressdruck und Temperatur, nicht aus einer Biegeform.
Esche
Fraxinus excelsior. Das klassische Biegeholz: elastisch, gut plastifizierbar, mit gerader Faser und heller Farbe. Standardwerkstoff für Stuhlgestelle.
Buche
Fagus sylvatica. Dichte rund 720 kg/m³, feine gleichmäßige Textur. Nimmt enge Radien zuverlässig an und ist der Maßstab für Serien-Stuhlgestelle.
Birke
Betula pendula. Biegt sich sauber und lässt sich gut zu Furnier verarbeiten. Reagiert aber empfindlich auf zu langes Dämpfen und neigt dann zum Aufreißen.
Nussbaum
Juglans regia. Dunkle, dekorative Maserung. Wird gewählt, wenn die Sichtfläche das Design bestimmt; biegetechnisch etwas träger als Esche und Buche.
Faserverlauf
Richtung der Holzfasern im Bauteil. Muss parallel zur Biegelinie verlaufen, sonst entstehen Querzugspannungen und Risse an der Außenkurve.
Verfahren
Dampfbiegen
Verfahren, bei dem Holz in gesättigtem Wasserdampf erhitzt und anschließend im warmen Zustand über eine Form gebogen wird. Die Form wird bis zum Abkühlen und Trocknen gehalten.
Plastifizierung
Aufhebung der Steifigkeit des Holzes durch Wärme und Feuchte. Die Ligninmatrix zwischen den Zellulosefasern wird weich, sodass die Fasern übereinander gleiten können.
Lignin
Natürlicher Holzbestandteil, der die Zellulosefasern umhüllt und verklebt. Es ist der Baustoff, der beim Dämpfen erweicht und nach dem Abkühlen die neue Form fixiert.
Konditionierung
Gezieltes Einstellen der Holzfeuchte vor dem Dämpfen. Zielwert sind etwa 20 bis 25 Prozent, damit die Fasern plastisch werden, ohne zu reißen.
Dämpfzeit
Dauer der Dampfbehandlung, abhängig von der Querschnittsdicke. Praxiswert: rund 15 Minuten pro Zentimeter. Ein 20-mm-Querschnitt benötigt etwa fünf Stunden.
Stahlband
Flexibles Band, das die Außenkurve während des Biegens umschließt und zusammendrückt. Es verhindert, dass die äußeren Fasern auf Zug reißen, und erlaubt engere Radien.
Biegeform
Werkzeug, das die Zielkontur vorgibt. Wird pro Bauteil gefertigt und bleibt für die Laufzeit des Programms im Werkzeugbau archiviert, damit Wiederholaufträge identisch ausfallen.
Aufspannen
Fixieren des gebogenen Teils auf der Form. Das Teil bleibt eingespannt, bis es abgekühlt und auf Gebrauchsfeuchte zurückgetrocknet ist.
Rückfederung
Elastische Rückstellung des Bauteils nach dem Lösen aus der Form. Sie wird durch Überbiegen, längeres Halten und langsames Trocknen kompensiert.
Pressbiegen
Umformen in einem beheizten Werkzeug unter Pressdruck. Schneller und reproduzierbarer als Dampfbiegen bei dünnen Querschnitten und bei allen Laminaten.
Konstruktion und Toleranz
Biegeradius
Innenradius der Kurve, gemessen an der Innenseite des Bauteils. Er bestimmt, ob ein Querschnitt überhaupt gebogen werden kann.
Radiusverhältnis
Verhältnis von Biegeradius zu Bauteildicke. Mit Stahlband liegt die praktische Grenze bei etwa 1:2, ohne Stahlband bei etwa 1:5 der Dicke.
Querschnitt
Form und Maß des Bauteils senkrecht zur Längsachse. Rechteckige Querschnitte biegen gleichmäßiger als stark profilierte Querschnitte.
Wandstärke
Dicke des Bauteils quer zur Biegelinie. Dünne Wandstärken erlauben engere Radien, sind aber empfindlicher gegen Beulen an der Innenkurve.
Toleranz
Zulässige Abweichung vom Nennmaß. Bei bearbeiteten Maßen nach dem Trocknen halten wir üblicherweise plus/minus 0,5 Millimeter.
Lehre
Prüfvorrichtung, die die Sollkontur als Gegenform abbildet. Jedes Los wird gegen die Lehre geprüft, weil ein Maßband die Krümmung nicht abbildet.
Zugzone
Außenliegender Bereich der Kurve, in dem die Fasern gedehnt werden. Hier entstehen Risse, wenn ohne Stahlband oder mit zu trockenem Holz gebogen wird.
Druckzone
Innenliegender Bereich der Kurve, in dem die Fasern gestaucht werden. Bei zu dünner Wandstärke entsteht hier Faltenbildung.
Rissbildung
Trennung der Fasern an der Außenkurve. Ursachen sind zu geringe Holzfeuchte, zu langes Dämpfen oder ein zu enger Radius ohne Stahlband.
Faltenbildung
Aufwerfung der Innenkurve durch Stauchung. Tritt auf, wenn der Radius kleiner ist als der Querschnitt zulässt, oder wenn der Anpressdruck zu hoch ist.
Prüfung und Qualität
Fallhärtung
Verhärtung der Randzonen durch zu schnelles Trocknen. Die äußeren Schichten schwinden früher als der Kern, es entstehen Eigenspannungen und Haarrisse.
Holzfeuchte
Wassergehalt des Holzes in Prozent der Trockenmasse. Beim Biegen werden 20 bis 25 Prozent angestrebt, im fertigen Bauteil die Gleichgewichtsfeuchte des Zielmarkts.
Gleichgewichtsfeuchte
Feuchtegehalt, der sich im Bauteil abhängig von Umgebungstemperatur und Luftfeuchte einstellt. Für Mitteleuropa liegen die Werte typisch zwischen 8 und 11 Prozent.
Sichtprüfung
Visuelle Kontrolle jeder Charge auf Risse, Druckstellen, Leimfugen und Farbabweichungen. Sie ergänzt die Maßprüfung, ersetzt sie aber nicht.
Maßprüfung
Messtechnische Kontrolle von Radius, Querschnitt und Länge gegen Zeichnung und Lehre. Grundlage für die Freigabe eines Loses.
EN 1728
Europäische Norm für die Prüfung der Standsicherheit, Festigkeit und Dauerhaltbarkeit von Sitzmöbeln. Relevant für Stuhlgestelle und Sitzschalen.
BIFMA
US-amerikanischer Standard für Büromöbel mit definierten Lastzyklen. Wird von nordamerikanischen Auftraggebern zusätzlich zur EN verlangt.
Formaldehyd
Bindemittelbestandteil in Holzwerkstoffen. Seit August 2026 gilt in der EU ein Grenzwert von 0,062 mg/m³ für Möbel und Holzwaren nach REACH Anhang XVII.
FSC und PEFC
Zertifizierungssysteme für nachhaltige Forstwirtschaft. Auftraggeber verlangen in der Regel einen lückenlosen Nachweis der Lieferkette bis zum Sägewerk.
EUDR
EU-Verordnung gegen Entwaldung, anwendbar ab Dezember 2026. Sie verlangt für Holzprodukte Angaben zu Art, Herkunftsland und Geokoordinaten der Anbauflächen.
Kaufmännisches
MOQ
Mindestbestellmenge pro Teil. Sie richtet sich nach Geometrie und Werkzeugaufwand, nicht nach einem festen Wert, und wird in jedem Angebot ausgewiesen.
Werkzeug
Biegeform oder Pressform, die für ein Bauteil gefertigt wird. Das Werkzeug wird nach Zeichnung gebaut und für die Laufzeit des Programms im Werk archiviert.
Erstmuster
Erstes Bauteil aus dem Serienwerkzeug, das dem Auftraggeber zur Freigabe vorgelegt wird. Erst nach Freigabe startet die Serienfertigung.
Lieferzeit
Zeitspanne vom freigegebenen Zeichnungssatz bis zur Versandbereitschaft. Üblich sind 7 bis 15 Tage für Muster und 15 bis 30 Tage für Serienaufträge.
Nach Branche: Wie sich die Anforderungen je Anwendung unterscheiden, zeigt die Übersicht Bugholz-Komponenten nach Branche.
Rechner: Ob Dicke und Radius zusammenpassen, prüft der Biegeradius-Rechner — mit den Grenzwerten für Biegen mit und ohne Stahlband.
EUDR: Welche Angaben Importeure ab Dezember 2026 für die Sorgfaltspflichtserklärung brauchen, steht unter EUDR und Bugholz.
